Von Eric Pedersen, Head of Responsible Investments bei Nordea Asset Management
ESG ist erwachsen geworden – und das ist gut so. Die Euphorie mag vorbei sein, aber die Substanz bleibt: Der S&P Global Clean Energy Transition Index legte 2025 um 44% zu – deutlich mehr als der S&P 500 oder Öl-Aktien. Investoren fordern heute messbare Ergebnisse statt schöner Worte. Und erneuerbare Energien sind zur wirtschaftlich attraktivsten Option geworden. Warum nachhaltiges Investieren heute anspruchsvoller, aber auch vielversprechender ist als je zuvor.
Das Argument für nachhaltigkeitsbewusstes Investieren (auch „ESG“ genannt), insbesondere im Energiewandel, ist weniger zyklisch, als es scheint. Während politische Umkehrungen in den USA und regulatorisches Zögern in Europa für Schlagzeilen gesorgt haben, werden Technologien wie Wind-, Solar- und Batteriespeicher-Lösungen still und leise zur günstigsten und schnellsten Möglichkeit, die Stromversorgung für nahezu alle Bereiche auszubauen – von Haushalten und Transport bis hin zu Rechenzentren und einer schnell wachsenden Anzahl industrieller Prozesse. Sogar – vielleicht paradoxerweise – Ölfelder (siehe: Texas 1).
Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung, dass das implizite Mindestmaß an Hygiene bei Investoren in Bezug auf Menschenrechtsfragen sowie ihr Interesse an naturnahen Lösungen, Kreislaufwirtschaft und Ähnlichem stärker ausgeprägt ist als das, was sich notwendigerweise in den Kapitalströmen in spezielle Produktkategorien oder in Produktlabels widerspiegelt.
Schließlich ist insbesondere für institutionelle Anleger ein solides Investment-Stewardship-Programm zu einer unabdingbaren Voraussetzung und damit zu einem entscheidenden Faktor bei der Auswahl von Investmentmanagern geworden.
Zugegeben, wir befinden uns nicht mehr in der Blütezeit von 2020 und 2021, in der fast jede Anlagestrategie mit der Bezeichnung „ESG“ große Geldströme anziehen würde. Die derzeitige Welle der Nachfrage nach nachhaltigen Lösungen ist zwar leiser, stellt aber auch höhere Anforderungen an Vermögensverwalter, die nachweisen müssen, dass ihre Vorschläge fundiert sind und die Erwartungen der Anleger berücksichtigen.
Diese Reifung von ESG sollte daher nicht als Rückzug von Nachhaltigkeitsambitionen missverstanden werden, sondern vielmehr als Zeichen dafür, dass der Fokus über Labels und Inputs hinausgegangen ist und sich zu dem bewegt, was für langfristige Investoren letztlich zählt – nämlich tatsächliche Ergebnisse in Bezug auf reale Auswirkungen, Integrität der Reputation sowie finanzielles Risiko und Rendite.
Erreichen realer Ergebnisse
Diese Entwicklung von ESG hat die Nachfrage nach klimaorientierten Strategien mit Blick auf reale Ergebnisse erhöht. Starke Unterstützung erfuhr dieser Trend durch die jüngsten historischen Renditen. Der S&P Global Clean Energy Transition Index stieg 2025 um 44 % und übertraf damit den Anstieg des S&P 500 Index von 16 % deutlich. Das Gleiche galt für den Vergleich mit dem S&P Global Oil Index, einen Anstieg von lediglich 11 % verzeichnete.
Während die jüngsten politischen Änderungen – insbesondere in den USA – kurzfristige Unsicherheit geschaffen haben, bleibt die Dekarbonisierung ein globaler Megatrend, der sich in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen wird, auch aufgrund zunehmend günstiger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen. Allerdings sind nicht alle technologischen Wege gleichwertig, und die Märkte bewerten weiterhin den Wert glaubwürdiger Transformationsstrategien von Unternehmen falsch.
Energieversorger stehen heute im Fokus, da die Stromerzeugung weltweit einen tiefgreifenden Wandel durchläuft. Treiber dieser Entwicklung sind der stark steigende Strombedarf infolge der zunehmenden Elektrifizierung unserer Volkswirtschaften und – in geringerem Maße – das Wachstum von Rechenzentren, die KI, Cloud-Lösungen usw. ermöglichen. Die Deckung dieses steigenden Energiebedarfs ohne katastrophale Anstiege der Treibhausgasemissionen wird sowohl von der weiteren Dekarbonisierung abhängen als auch durch sie vorangetrieben werden. Dies liegt zum Teil auch daran, dass viele der weltweit größten Technologieunternehmen weiterhin ambitionierte Ziele für saubere Energie verfolgen.
Unter den Energieversorgern erweist sich das deutsche Unternehmen RWE als einer der Hauptprofiteure der Energiewende und des Strebens nach europäischer Energieunabhängigkeit. Es verbindet einen konsequenten Kohleausstieg mit dem Ausbau erneuerbarer Energien. Durch kontinuierliches Engagement haben wir die Bemühungen des Unternehmens unterstützt, die Kapazitäten für saubere Energie zu erweitern und die Glaubwürdigkeit seiner wissenschaftlich fundierten Ziele zu stärken.
Die Bedeutung kollektiver Engagement-Aktivitäten
Das Engagement mit Unternehmen in emissionsintensiven Sektoren wie der Energieversorgung ist unerlässlich, um die Emissionsreduktion voranzutreiben. Dies gilt insbesondere für die Bedrohung durch Methanemissionen, die schätzungsweise 30 % der heutigen globalen Erwärmung ausmachen. Zwar kann individuelles Engagement einen wichtigen Beitrag zur Beeinflussung des Unternehmensverhaltens leisten, doch systemische Herausforderungen wie Methan lassen sich besonders effektiv durch koordiniertes Investorenengagement entlang der gesamten relevanten Wertschöpfungskette angehen.
Deshalb bleiben Koalitionen von Investoren und kollektive Engagement-Aktivitäten mächtige Werkzeuge, um reale Veränderungen voranzutreiben. Seit 2022 leiten wir ein gemeinsames Engagement-Programm mit zahlreichen gleichgesinnten Investoren, um wesentliche Reduzierungen der Methanemissionen in den Bereichen Energie, Versorgungsunternehmen und Abfallmanagement zu ermöglichen.
Neben dem Dialog mit einzelnen Unternehmen war auch die Auseinandersetzung mit politischen Entscheidungsträgern notwendig, um zu bekräftigen, dass der Rahmen für Investitionsentscheidungen von Unternehmen so unterstützend und berechenbar wie möglich bleiben sollte. So forderte beispielsweise eine Gruppe von 44 führenden Investoren mit einem verwalteten Vermögen von über 4,5 Billionen Euro kürzlich die Europäische Kommission, das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten auf, die seit Langem angekündigte EU-Methanemissionsverordnung 2 einzuhalten und zügig umzusetzen. Nordea hat sich in Zusammenarbeit mit Brancheninitiativen wie der Institutional Investors Group on Climate Change (IIGCC) direkt mit EU-Vertretern getroffen, um diese Initiative zu unterstützen.
Den Weg für die Gewinner von morgen ebneten
Kurzfristige regulatorische Schwankungen, wie sie nachhaltigkeitsbewusste Unternehmen und Investoren im aktuellen Umfeld erleben, sind kontraproduktiv. Sie erzeugen Verwirrung und begünstigen die Verbreitung negativer Narrative, die Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit als unvereinbar darstellen. Als langfristige Investoren wissen wir, dass dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit ohne Nachhaltigkeit nicht möglich ist. Genau das versuchen wir – im Einklang mit der überwiegenden Mehrheit der Vermögensinhaber, mit denen wir im Dialog sind – unseren Portfoliounternehmen, deren Kunden und Lieferanten sowie den relevanten politischen Entscheidungsträgern zu vermitteln. Die Gewinner von morgen werden diejenigen Unternehmen und Investoren sein, die vorausschauend denken, ihre strategische Ausrichtung beibehalten und sich nicht von ständig wechselnden „Vibes“ ablenken lassen.
Die Bezugnahme auf einzelne Unternehmen oder Investments darf nicht als Empfehlung gegenüber dem Anleger aufgefasst werden, die entsprechenden Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen, sondern dient ausschließlich illustrativen Zwecken.