Ein Interview mit Hilde Jenssen, Co-Portfoliomanagerin der Nordea Empower Europe Strategie
Energieresilienz ist ein zentrales Element der laufenden strategischen Transformation Europas, die erhebliche Investitionen in Elektrifizierung und Energieinfrastruktur erfordert. Angesichts der Turbulenzen auf den globalen Energiemärkten durch den Iran erörtert Hilde Jenssen, Co-Portfoliomanagerin der „Empower Europe“-Strategie von Nordea, die kurz- und langfristigen Auswirkungen des aktuellen Konflikts auf die strategische Neuausrichtung Europas.
Die Invasion der Ukraine im Jahr 2022 hatte erhebliche Auswirkungen auf die Energiemärkte und die globale Wirtschaft insgesamt. Wird der Konflikt im Iran eine ähnliche Wirkung haben?
Es gibt klare Parallelen: Beide Episoden dienen als Katalysatoren der Ausgaben für die Energiesicherheit und bewegen Regierungen und Unternehmen dazu, Investitionen in die Robustheit der Versorgung, Infrastruktur und Diversifizierung zu beschleunigen. Im Jahr 2022 war der Russland-Ukraine-Schock eine akute, europazentrierte Versorgungskrise – insbesondere im Gasbereich – mit Notfallmaßnahmen, Preisspitzen und kurzfristigen Chancen, die mit Knappheit und Substitution verbunden waren. Die aktuelle, vom Nahen Osten getriebene Störung ist von Natur aus anders. Es geht weniger um unmittelbare physische Engpässe, sondern vielmehr um eine anhaltende geopolitische Risikoprämie, da sich die Märkte zunehmend auf Öl, Schifffahrtsrouten und regionale Instabilität konzentrieren.
Daher sind die politischen Maßnahmen weniger reaktiv und strategischer. Dies verstärkt mehrjährige Investitionsverpflichtungen in Bereichen wie Stromnetze, Flüssiggas, Energiespeicherung und -effizienz sowie lokal verankerte Energiesysteme. Dies verlagert Anlagemöglichkeiten weg von volatilen, taktischen Investitionen hin zu Unternehmen mit langfristiger Wachstumstransparenz, regulierten oder vertraglich abgesicherten Cashflows und struktureller Ausrichtung auf Energiesicherheits- und Dekarbonisierungsziele. All das deutet auf nachhaltigere langfristige Auswirkungen bezüglich der Kapitalallokation hin als es beim Schock von 2022 der Fall war.
Wird Europa als großer Importeur von Erdgas von diesem Konflikt besonders betroffen sein?
Europa bleibt strukturell anfällig für Gasströme aus dem Nahen Osten, und der aktuelle Konflikt zeigt, wie geopolitische Spannungen langfristig weiterhin für die Preisbildung und die Versorgungssicherheit von Bedeutung sind. Genau diese Verwundbarkeit ist jedoch der Grund, warum der Iran-Konflikt Investitionen in die inländische Energiesicherheit in Europa und den verbündeten Märkten verstärkt – statt zu verhindern.
Das REPowerEU-Programm Europas im Wert von 300 Milliarden Euro ist der Anker einer mehrjährigen Reaktion, die sich auf die Reduzierung der Importabhängigkeit durch Netzmodernisierung, beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien, Energiespeicherung, Effizienzsteigerungen in Gebäuden und verbesserten Zugang zu kritischen Rohstoffen konzentriert. Ähnliche Entwicklungen sind im Vereinigten Königreich und in Teilen Asiens sichtbar, während die USA sowohl als Investitionsgüterlieferant als auch als Energieexporteur profitieren.
Wo identifizieren Sie innerhalb der Nordea Empower Europe Strategie langfristige Chancen, die mit Energieresilienz im Einklang stehen?
Das überzeugendste Potenzial liegt in der Netzinfrastruktur und -übertragung, statt in der Upstream-Exploration oder kurzzyklischen fossilen Investitionen. Dazu gehört die Aufrüstung alternder Elektrizitätsnetze, der Ausbau von Ausgleichleitungen sowie der Einsatz fortschrittlicher Kabel, Transformatoren und digitaler Steuerungssysteme, um dem steigenden Strombedarf aus E-Mobilität, Industrie, Rechenzentren und Transport gerecht zu werden.
Darüber hinaus sind wir optimistisch hinsichtlich nachgelagerter Elektrifizierungsthemen wie Energieeffizienz in Gebäuden, Wärmepumpen, Speicher und Technologien des Energiemanagements. Dies wird die Gasabhängigkeit verringern und die Systemwiderstandsfähigkeit verbessern. Erneuerbare Energien und saubere Energieerzeugung bleiben wichtig, aber ohne Netzkapazität und Flexibilität können sie nicht skalieren; Infolgedessen fließt zunehmend Kapital in regulierte Netze, Ausrüstungslieferanten und industrielle Lieferketten, die die Elektrifizierung untermauern.
Unterstützt von REPowerEU und nationalen Programmen basiert diese langfristige Investitionsmöglichkeit auf vorhersehbaren Cashflows, hohen Markteintrittsbarrieren und einem grundlegenden Wiederaufbau des europäischen Energierückgrats – nicht auf zyklische Exponierung gegenüber Rohstoffpreisen.