Abfall als Chance

Wie man Kunststoffe kapitalisieren kann

Hilde Jenssen, Head of Fundamental Equities bei Nordea Asset Management

Jedes Jahr landen schätzungsweise 8 Millionen Tonnen Plastik in unseren Ozeanen. Inzwischen machen Kunststoffe 80% des gesamten Meeresmülls von den Oberflächengewässern bis zu den Tiefseesedimenten aus. Die weltweite Produktion von Plastik ist zwischen 1950 und 2019 regelrecht explodiert – von rund 1,5 Mil-lionen Tonnen auf 368 Millionen Tonnen. Die Plastikverschmutzung ist nicht nur eine Umweltkatastrophe, son-dern auch ein grosser wirtschaftlicher Unsinn. Jährlich werden über 300 Millionen Tonnen Kunststoffe produ-ziert, wovon die Hälfte zur Herstellung von Einwegartikeln wie Einkaufstüten, Bechern und Strohhalmen verwen-det wird. Etwa 95% des Gesamtwerts von Kunststoffverpackungen (80-120 Milliarden USD pro Jahr) gehen der Wirtschaft nach einem kurzen Einwegzyklus verloren. Es ist entscheidend, den Wirtschaftskreislauf von Plastik sowie die verfügbaren Lösungen zu verstehen, um den Zustand unserer Ozeane wieder zu verbessern, von de-nen letztendlich alles Leben in der einen oder anderen Form abhängt.

 

Wo kommen die Kunststoffe her?

Bevor Plastik zum Besteck, den Behältern und Flaschendeckeln wird, die wir tagtäglich verwenden, sind da zunächst einmal organische Materialien. Hauptquelle für Kunststoffe sind fossile Brennstoffe wie Erdöl und Erd-gas – beide sind grundsätzlich recycelbar. Die Lebenszyklen der verschiedenen Plastikarten unterscheiden sich jedoch markant.

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Source: Statista.com

 

An Land variiert die Dauer, bis Plastik vollständig abgebaut ist, von weniger als einem Jahr bis zu mehr als 500 Jahren. Im Meer verursachen Kunststoffe eine Vielzahl von Problemen für Meereslebewesen und werden unter anderem von Fischen verschluckt und können dann in unserem Essen landen.
Plastikverschmutzung ist ein globales Problem und betrifft jedes Glied der Wertschöpfungskette, vom Hersteller bis zur Abfallentsorgung. Um das Problem effektiv zu lösen, muss das Problem von mehreren Fronten angegangen werden. Insbesondere die Reduktion, das Recycling, die Regulierung sowie auch innovative Lösungen sind notwendig.

Reduktion

Seit 1992 hat China schätzungsweise 45% des weltweiten Plastikmülls aufgenommen. 2017 lieferte Europa 85% seines gesamten Abfalls nach China. Damit ist aber bald Schluss: China will nicht länger als Abfallcontainer der Welt hinhalten, wie es am 1. Januar 2017 bekanntgab. Für ganze 110 Millionen Tonnen Abfall muss bis 2030 als Folge von Chinas Schritt ein neuer Abnehmer gefunden werden – was andere, vor allem asiatische Länder unter Druck setzt. Grosse Programme zur Reduzierung von Plastikmüll stellen eine Investitionsmöglichkeit dar. Un-ternehmen wie Republic Services, die Umladestationen und Abfallentsorgungslösungen anbieten, dürften von diesem Bedarf profitieren.

Recycling

Chinas beispielloses Verbot der Verfrachtung von Kunststoffabfällen war ein Weckruf für die EU. Die EU erklär-te daraufhin das eigene Ziel, dass alle Kunststoffverpackungen bis 2030 recycelbar oder wiederverwendbar sein sollten. 2018 lag die Recyclingquote von Kunststoffverpackungsabfällen in Europa erst bei 41,2%.
Das Recyclingmandat der EU schafft Chancen für Unternehmen, die über das technische Know-how für die Zersetzung komplexer Materialgruppen verfügen. Unserer Ansicht nach könnten Chemieunternehmen diesen Vorteil nutzen, insbesondere wenn sie in der Lage sind, die Umweltauswirkungen ihrer Aktivitäten zu begrenzen. Dank intelligentem Verpackungsdesign und billigeren recycelten Materialien zählen auch Konsumgüterunternehmen zu den Nutzniessern. Unternehmen wie Mondelez International, welche biologisch abbaubare Verpackungen herstellen, könnten von einer Abkehr von Kunststoffen profitieren.

Regulierung

Das Recycling von Kunststoffen ist ein Megatrend, der wahrscheinlich noch viele Jahre andauern wird. Wäh-rend sich Unternehmen mit Investitionen, der Umsetzung und Fragen rund um die Transparenz ihrer Recyclingprogramme auseinandersetzen, werden die Vorschriften wahrscheinlich strenger werden. Indem die Spreu vom Weizen getrennt wird, wird dieser Megatrend mit Sicherheit Gewinner und Verlierer hervorbringen. Als aktive Investoren ist es unsere Aufgabe, in Unternehmen zu investieren, die den Unterschied zwischen nachhaltigen und nicht nachhaltigen Geschäftsstrategien verstehen. Tomra Systems beispielsweise hat ein sensorbasiertes Sortiersystem entwickelt, welches es Kunden ermöglicht, Wertstofffraktionen mit höherer Reinheit aus ihren Recycling- und Abfallströmen zu extrahieren. Damit lassen sich sowohl die Erträge als auch den Gewinn maxi-mieren. Dieses System würde Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsinitiativen nachweisen müssen, sehr zugu-te kommen.

Innovative Lösungen

Die Vorlieben der Konsumentinnen und Konsumenten sind ein wichtiger Teil dieser Gleichung, und der jüngste Trend hin zu kleineren Verpackungsportionen haben für Gegenwind gesorgt. Positiv hingegen ist, dass die In-putkosten in der Plastikproduktion rückläufig sind, da die Preise für recycelten Kunststoff seit 2011 tendenziell im Sinken begriffen sind:

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Dazu kommt der zunehmende Trend zur Wiederverwendung von Kunststoffen. So kündigte Coca-Cola European Partners (CCEP) die Einführung von WestRocks CanCollar® Eco, einer innovativen Verpackungslösung aus Karton, für Multipack-Dosen in Spanien an. Dieser Schritt unterstützt die Bemühungen von Coca-Cola in Westeuropa, alle unnötigen oder schwer zu recycelnden Kunststoffe aus dem Portfolio zu entfernen und so die Verwendung von mehr als 11’000 Tonnen Neuplastik pro Jahr in der Region zu vermeiden.

Druck von Investorenseite

Während die Regierungen versuchen, die Umweltverschmutzung zu reduzieren, wächst der Druck auf den pri-vaten Sektor, Massnahmen zu ergreifen. Viele Investorinnen und Investoren fordern, dass Unternehmen ihre Recyclingpraktiken verbessern und ihre mehrjährigen Ziele zur Abfallreduzierung offenlegen. Es besteht zudem die Notwendigkeit zu verstehen, wie das Ertragspotenzial eines Unternehmens beeinflusst wird und wie die Abfallreduzierung mit wichtigen Personal-Kennzahlen verbunden ist. Dies ist besonders wichtig für einige Konsumgüterunternehmen, die zu den weltweit grössten Herstellern von Kunststoffverpackungen gehören.

Investorinnen und Investoren haben ein zunehmendes Interesse daran, zu wissen, wie sie mit einer Investition in ein Unternehmen einen Beitrag zum Umweltschutz leisten können.

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie Anlegerinnen und Anleger helfen können, die Plastikverschmutzung zu reduzieren:

  • Indem sie in Unternehmen investieren, die klare Ziele bezüglich des Recyclings von Plastik haben;
  • Indem sie in Unternehmen investieren, die Kunststoffalternativen wie beispielsweise erneuerbare Verpackungen anbieten.

Für Investorinnen und Investoren wird es immer wichtiger, die potenziellen Umweltauswirkungen ihrer Investiti-onen zu verstehen. Die Gesundheit des Planeten hängt von innovativen Ideen ab, um die riesige Flut an Plastikmüll zu stoppen. Glücklicherweise nutzen immer mehr Unternehmen ihre Macht, um das Problem durch Reduktion, Recycling sowie auch mithilfe neuer Denkansätze in Bezug auf den Plastikverbrauch anzugehen.
Unternehmen sind oft Vorreiter im Kampf gegen Umweltprobleme. Investorinnen und Investoren können sie bei der Entwicklung neuer Technologien und dem Überdenken von Geschäftsmodellen unterstützen – die nicht nur Gewinnmargen ausweiten, sondern auch einen positiven sozialen Effekt haben.

 

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